Da war das Shoppen gehen, das kleine türkische Café, welches dann gar nicht so klein war, das gute Essen, eine volle Autobahn, quer durch Berlin. Ich liebe diese Stadt, die man nicht lieben kann.
Köpenick, viel Zeit, sehr viel Zeit meiner Jugend verbracht, an diesem Tag geht es weiter in ein riesiges Plattenbauviertel. Hier wohnt die Uroma, in diesem Plattenbau seit 40 Jahren, oder waren es 50, ich weiß es nicht mehr. Dünn ist sie geworden. Am Anfang die Stimme noch brüchig, dann merkt man, wie sehr sie sich freut, dass wir da sind und die Stimme wird fester. Ja so kenne ich sie, meine liebe Patriarchin, Matriarchin. Aber sie darf es, in einer Welt, in der der Respekt für das Alter verloren geht. Wir könnten unsere Wohlstandsärsche nicht in gepolsterte Sessel ablegen, wenn sie nicht das aufgebaut hätten, was wir heute Wohlstand nennen.
Ich stehe vor der DDR Schrankwand und schaue auf die vielen Bücher. Die meisten davon gehörtem dem Opa, dem Uropa. Dazwischen ein Buch über Schlesien.
Sie erzählte wie sie an einem Tag 1944 nach Hause kam und freudig fragte ob der Vater da sei, es roch nach ihm.
Es war nur das kleine Paket, mit seinen wenigen Sachen.
Genau zu ihrem Geburtstag, es war der 10te, begann ihre Flucht aus Schlesien. Ganz große Puppen hätte sie gehabt erzählt sie mir, zu groß für die Flucht. Ihr Opa hatte ihr aus Stroh schnell kleine gefertigt, dann bekamen sie den letzten Zug aus Schlesien, der Opa arbeitet bei der Bahn, der letzte Zug aus Liegnitz. Der letzte Zug für lange Zeit.
Sie schafft nur ein halbes Stück Kuchen, aber gönnt sich eine zweite Tasse Kaffee. Sie winkt aus ihrem Fenster als wir losfahren, aus diesem kleinem Fenster, in diesem riesigen Plattenbauviertel.
Danke, dass ich auch dank dir liebe Uroma, über die Straßen quer durch Berlin fahren kann, durch diese Stadt die ich liebe und die man nicht lieben kann. Dass ich mit meiner Familie irgendwo halten kann und zu Essen bekomme und die Wohnung warm ist, wenn ich die Wohnungstür öffne.


Es gibt diese Sendung „Ein Leben in 10 Bildern“. Ein berühmter Mensch erhält dort anhand von 10 Bildern eine kleine Biographie. Auf meinem Bild sind 10 Leben. Es ist eines dieser Bilder die ich immer wieder hervorhole. Ein kleiner Schatz der Vorfahren. Und ihre Leben? Ich möchte mit Elisabeth beginnen, rechts unten. Warum mit ihr? Sie ist unbekannt man weiß nicht mehr als ihren Namen. Mich würde interessieren warum. Links daneben mein Uropa, Paul geb. 1869. Er war Bäckermeister und Straßenbahnfahrer.1942 ist er gestorben. Uroma Maria, Sie starb 1936 in Cottbus und wurde 66 Jahre. Ich hab einige Bilder von ihr, auf keinem lächelt sie, auf diesem ein wenig. Daneben Georg, ich weiß nicht wann er geboren wurde, wann gestorben, aber ich weiß er war Flugzeugmechaniker und mit Anna verheiratet. Hinter ihm der Sonnenschein der Familie: Hildegard, auch genannt die wilde Hilde oder die rote Hilde (wegen den Haaren?) war wohl immer gut gelaunt und keine Party ohne sie. 1908 wurde sie geboren und starb 1985 in Cottbus wo sie ihr ganzes Leben lang gelebt hat und passend eine uneheliche Tochter Eva Maria. Daneben Fritz, gefallen im 2. WK. Er hatte eine Frau und einen Sohn. Neben Fritz steht Otto, er ist 1899 geboren, hat 1929 Martha geheiratet. Sie hatten eine Tochter. Otto starb 1988 in Berlin. In Westberlin. Dann Helmut, er wurde nur 35, hatte Frau und Kind. Starb 1942, wahrscheinlich gefallen. Daneben Kurt, mein Opa. Nie kennengelernt da er schon 1956 verstarb, sehr krank. Gerade mal 58, oh genau wie ich heute. Er war Sattler von Beruf. 1938 hat er in Berlin Adlershof meine Oma Marie Agnes geheiratet. Zusammen hatten sie 2 Söhne. Einer war mein Vater. Und dann ist da noch Arnold, der Lieblingsonkel meines Vaters. Er war Drucker und Buchbinder, seine Frau hieß Charlotte, Lotte genannt. Er starb 1985 in Königs Wusterhausen.







